Verkehr und Mobilität

Steuerungsmöglichkeiten der Kommune

Auch wenn der Einfluss der Kommune hier begrenzt ist: Der Verkehrssektor spielt eine bedeutende Rolle bei der Vermeidung von CO₂-Emissionen in Deutschland. Im Jahr 2019 war der Verkehr für etwa 164 Millionen Tonnen Treibhausgase (berechnet als CO₂-Äquivalente) verantwortlich, was 20 % der gesamten Treibhausgasemissionen des Landes ausmacht. Dieser relative Anteil ist seit 1990 um sieben Prozentpunkte gestiegen.

Leider ist der Verkehrssektor der einzige Bereich, der in den vergangenen Jahrzehnten seine Treibhausgasemissionen nicht reduzieren konnte. Um den Anforderungen des Pariser Klimaschutzabkommens und dem Ziel des Bundes-Klimaschutzgesetzes für 2030 gerecht zu werden, muss der Verkehr in Deutschland seine Treibhausgasemissionen schnell und drastisch reduzieren. Hier sind einige Schlüsselmaßnahmen:

  1. Effizienz und Elektrifizierung für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge: Förderung von Elektromobilität und effizienteren Fahrzeugen.
  2. Ende für klimaschädliche Subventionen: Abschaffung von Subventionen für fossile Brennstoffe.
  3. Geschwindigkeitsbegrenzungen: Reduzierung der Höchstgeschwindigkeiten auf Autobahnen.
  4. Stärkung der Schiene und des ÖPNV: Investitionen in den öffentlichen Nahverkehr und den Schienenverkehr.
  5. Umweltverbund: Förderung von Fahrrad, Fußgängerverkehr und Sharing-Mobilität.
  6. Postfossile Kraftstoffe: Erforschung und Nutzung alternativer Kraftstoffe.

Der Umweltverbund

Unter dem Begriff Umweltverbund wird das Zusammenspiel der umweltfreundlichen Verkehrsmittel verstanden. Hierzu zählen die öffentlichen Verkehrsmittel (Bahn, Bus und Taxis), nicht motorisierte Verkehrsträger (Fußgänger und private oder öffentliche Fahrräder), sowie Carsharing und Mitfahrzentralen. Ziel ist es, Verkehrsteilnehmern zu ermöglichen, ihre Wege innerhalb des Umweltverbunds, anstatt mit dem eigenen Pkw, zurückzulegen. Das Ziel des Umweltverbunds ist es, den motorisierten Individualverkehr zu reduzieren und umweltfreundlichere Alternativen zu fördern.

Nur eine gute Vernetzung kann die Akzeptanz des Umweltverbunds erhöhen, so dass der motorisierte Individualverkehr abnimmt. Der Umweltverbund einer Stadt kann als gelungen bezeichnet werden, wenn beispielsweise Busse und Bahnen aufeinander abgestimmt sind, von jeder Wohnadresse Haltestellen/Abfahrtstellen fußläufig erreichbar sind, der Fahrplantakt dicht, merkbar und zuverlässig ist, das Radwegenetz dicht, durchgehend, gut befahrbar und ausgeschildert ist, Fußgänger sich sicher im Verkehr bewegen und Fahrrad- und ÖPNV-Nutzung gut vernetzt sind.


Planungstools für Kommunen

Das Mobilikon ist ein online-Lexikon für kommunales Mobilitätsmanagement, mit hunderten von Angeboten, von konkreten übertragbaren Mobilitätsmaßnahmen über planerische, rechtliche und finanzielle Instrumente bis zu Hilfen bei der Umsetzung von Mobilitätsangeboten.

Der Mobilitätsatlas bietet einen Datenschatz an Informationen rund um die Mobilität im Rheinland. In dem entstandenen interaktiven digitalen Mobilitätsatlas hat go.Rheinland in den vergangenen Jahren einen gewaltigen Fundus an Daten zusammengetragen. Hierin finden Kommunen, Planungsbüros und weitere Akteure wertvolle Informationen, auf Basis derer sich die Mobilität der Zukunft konzipieren lässt. Die gesammelten Daten reichen von den Fahrgastzahlen über die Erreichbarkeit von Kommunen mit dem ÖPNV, die Abdeckung mit Park-and-ride-Angeboten sowie einen Reisezeitvergleich zwischen ÖPNV und Motorisiertem Individualverkehr bis hin zur Barrierefreiheit der Stationen.

Ein umweltfreundlicheres Verkehrsnetz mit Bussen, Bahnen, Fahrrädern und viel Platz für Fußgänger würde nicht nur die Luftqualität verbessern, sondern auch Lärmbelästigung verringern und einen aktiveren Lebensstil fördern. Als einen Schritt in diese Richtung hat der KlimaTisch Wegberg e.V. in Kooperation mit dem ADFC Kreis Heinsberg e.V. den Mapathon Wegberg gestartet.



Strassenraum

Bei der begrenzten Verkehrsfläche in Städten geht eine Neuausrichtung fast immer mit einer Umverteilung einher oder Veränderungen, die von manchen Verkehrsteilnehmern als Einschränkungen empfunden werden (Geschwindigkeitsbegrenzungen, weniger Parkplätze) und dementsprechend schwer durchzusetzen sind. Neue Gesetzgebung ermöglicht Kommunen, selbstständiger als bisher über Geschwindigkeitsbegrenzungen zu entscheiden.

Elterntaxis

Ein Erlass des grünen Verkehrsministers legt fest, dass Kommunen Straßen vor Schulen zeitweise sperren dürfen. Das soll Gefahren vor und nach dem Unterricht mindern. Eltern, Lehrkräfte und Städte begrüßen die neue Möglichkeit der Verkehrslenkung.

Schienennetz

Auch der Ausbau des Schienennetzes ist oft ein Geduldsspiel, wobei die Finanzierung noch das kleinste Problem darstellt. Als Beispiel hierfür seien die Versuche der Wiederinbetriebnahme einer vor über 30 Jahren stillgelegten Güterzugstrecke genannt (Eiserner Rhein), bei der trotz jahrelangen Verhandlungen und Untersuchung von Varianten des Streckenverlaufs kein Fortschritt erzielt werden kann.

Verkehrsplanung in Wegberg